Strategie für sozialverträgliche und einvernehmliche Personalfreisetzungen

Sabrina Renz

15. Juni 2020

Mitarbeitern neue Stellen anzubieten oder sich ganz von ihnen zu verabschieden, steht in Zeiten ständiger Veränderung und globaler Konkurrenz regelmäßig auf der Tagesordnung von Unternehmen. Für Sie als Führungspersönlichkeit ist Personalumbau eine Frage von Wettbewerbsfähigkeit. Damit tragen Umbaumaßnahmen auch immer zur Sicherung der verbleibenden Arbeitsplätze bei. Wie Sie eine sozialverträgliche Strategie für Personalfreisetzungen gestalten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Vielseitige Gründe für Personalabbau

Wenn in Ihrem Unternehmen Änderungen anstehen, kann das viele Ursachen haben. Sich klar zu machen, warum genau ein Personalabbau durchgeführt wird, kann Ihnen bei der Kommunikation Ihrer Strategie zu Personalfreisetzungen eine große Hilfe sein. Die häufigsten Gründe sind:

  • Umstrukturierung. Bereitschaft zur Anpassung an den Markt und ständige Prozessoptimierung sind Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften. Aus diesem Grund stehen in vielen Unternehmen regelmäßig Umstrukturierungen an. Diese gehen oft mit Personalfreisetzung einher.
  • Fusion. Beim Zusammenschluss zweier Unternehmen werden redundante Funktionen abgebaut. Solche Synergien sind meist ein wichtiger Bestandteil des Business Cases von Unternehmensfusionen.
  • Änderung der strategischen Ausrichtung. Neue Vertriebskanäle, die Schließung veralteter Sortimente oder die neue Orientierung auf Dienstleistungen statt Produkte können eine Veränderung der personellen Zusammensetzung nötig machen.
  • Technologischer Fortschritt. Die Automatisierung von Arbeitsschritten oder beispielsweise das Ersetzen eines gedruckten Papierkataloges durch einen Webshop erfordert einen Wandel im Personal.
  • Outsourcing oder Nearshoring. Niedrigere Löhne für Produktion in Fernost oder für IT in den baltischen Staaten setzen manchen Mitarbeiter am heimischen Standort frei.

Sozialverträgliche Strategien für Personalfreisetzungen

Lässt sich überhaupt auf einvernehmliche und sozial gerechte Weise Personal abbauen? Sehen Sie Ihr Personal nicht als Namen in einem fixen Kästchen im Organigramm. Denn Mitarbeiter sind Individuen mit verschiedenen Ressourcen, Altern, sozialen Umständen und Arbeitszeiten. Dies eröffnet Ihnen viele Faktoren, mit denen Sie eine wirksame und gute Strategie für Personalfreisetzungen aufbauen können.

  • Gemäß §112 BetrVG sind Sie bei einer Unternehmensgröße über 20 wahlberechtigten Mitarbeitern und einem Betriebsrat dazu verplichtet, bei größeren Betriebsänderungen den Interessenausgleich zu suchen und einen Sozialplan zu gestalten. Nutzen Sie diese Verpflichtung als Chance und gewinnen Sie im Dialog mit Ihrem Betriebsrat Ideen für Ihre Strategie zur Personalfreisetzung.
  • Berücksichtigen Sie Ihre Möglichkeiten innerhalb der Freiwilligkeit. Womöglich willigen manche Mitarbeiter gern in einen Aufhebungsvertrag ein, reduzieren ihre Arbeitszeit oder gehen vorzeitig in Rente. Auf diese Art minimieren Sie den Bedarf an Kündigungen oder Zwangsversetzungen.
  • Pflegen Sie eine transparente Kommunikation mit Ihrer Belegschaft und vor allem mit den Betroffenen. Legen Sie die Kriterien für Kündigungen oder Versetzungen offen – das schafft Nachvollziehbarkeit und größeres Verständnis. Außerdem wird auch Ihre verbleibende Belegschaft Wert darauf legen, dass Sie bei einem Personalabbau ehrlich und authentisch kommunizieren.
  • Seien Sie proaktiv: Die natürliche Fluktuation hilft Ihnen bei einem Personalabbau, wenn Sie die frei werdenden Stellen nicht neu besetzen. Wenn Sie ständig den Bedarf an Personal im Vergleich zur Ausrichtung Ihres Unternehmens im Auge behalten, können Sie mit dieser Strategie zur Personalfreisetzung Massenkündigungen sogar weitgehend vermeiden.

Von der Kündigung zur persönlichen Weiterentwicklung

Ein Mitarbeiter, der von seiner Kündigung überrascht wird, begreift diese selten sofort als Chance. Sie als Führungspersönlichkeit jedoch können die Entlassung für diese Person zu wertvoller persönlicher Entwicklung umwandeln. Einerseits haben Sie die Möglichkeit, finanziell zu unterstützen und eine Abfindung zu zahlen. Andererseits können Sie Fortbildung oder Job Rotation bis zur Entlassung anbieten. Das hilft Angestellten dabei, leichter einen neuen Job zu finden. Sie können auch Ihre Kontakte spielen lassen und in anderen Unternehmen Stellenangebote recherchieren, auf der er/sie als externe/r Bewerber/in sonst keinen Zugriff hätte. Weiterhin können Sie Ihrem Mitarbeiter Outplacement anbieten. Hier bekommt der/die Entlassene Unterstützung dabei, seine/ihre Situation zu verarbeiten und gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Strategien für Personalfreisetzungen: Schritt für Schritt

Tritt in Ihrem Unternehmen der Bedarf an Personalumbau auf, gewähren Sie sich selbst einen Vorteil, in dem Sie

  1. Ihre Situation zunächst gründlich analysieren. Welche Qualifikationen brauchen Sie und wie viele Arbeitskräfte sind nötig, um die in der Zukunft anfallenden Tätigkeiten auszuführen?
  2. Treffen Sie anschließend eine wohlüberlegte Entscheidung darüber, wie Sie der neuen Organisation gerecht werden. Wie vielen Mitarbeitern muss unbedingt gekündigt werden und für welche finden Sie andere sinnvolle Lösungen?
  3. Planen Sie konkret, wer wann und zu welchen Bedingungen entlassen oder umbesetzt wird. Machen Sie sich klar, inwieweit Sie im konkreten Fall bereit sind zu verhandeln.
  4. Kündigen Sie die anstehenden Maßnahmen an. Sowohl die betroffenen Mitarbeiter, der Rest der Belegschaft als auch die Öffentlichkeit haben ein berechtigtes Interesse an den bevorstehenden Änderungen als Konsequenz aus einer neuen strategischen Ausrichtung.
  5. Während des Stellenabbaus zollen Sie allen Ihren Angestellten durch offenen Dialog Respekt. Indem Sie zuhören und antworten, zeigen Sie Interesse und erfahren, welche Ängste und Sorgen mit dem Personalabbau einhergehen. Mit diesem Wissen wiederum können Sie gezielter kommunizieren.

Mit einer durchdachten Strategie zur Personalfreisetzung können Sie selbst Stellenabbau sozialverträglich und einvernehmlich gestalten.

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