KI in Human Resources: So verändert künstliche Intelligenz den HR-Bereich

Sabrina Renz

6. Juli 2020
KI in Human Resources

KI-Systeme haben in den letzten Jahren eine derart steile Lernkurve gezeigt, dass sie inzwischen nicht nur leichte und monotone Aufgaben in Unternehmen übernehmen können, sondern auch vermehrt für intelligente und anspruchsvollere Tätigkeiten eingesetzt werden. Auch der Bereich Human Resources steht trotz seiner menschlichen Komplexität zunehmend im Fokus künstlicher Intelligenz.

Generelles zu KI im Bereich HR – Human Resources

Künstliche Intelligenz zieht unaufhaltsam in eine immer größere Zahl an Unternehmensbereichen ein. Überall, wo Computer und Maschinen vorhersagbare, sich wiederholende und somit leicht zu erlernende Tätigkeiten übernehmen können, sind sie Menschen schnell überlegen. Doch damit nicht genug. Die Fähigkeiten von durch KI-gesteuerten Systemen gehen inzwischen auf Basis von Deep Learning weit über die Wiederholung monotoner Prozesse hinaus. Deep Learning Systeme haben in den letzten Jahren massive Fortschritte gemacht und sind dem menschlichen Gehirn bei vielen Themen in puncto Lern- und Prognosefähigkeit dicht auf den Fersen bzw. teilweise schon überlegen.

Aufgrund seines starken Menschenbezugs wähnte sich der Bereich Human Resources bislang in einer trügerischen Sicherheit. Viele HR-Mitarbeiter waren und sind nach wie vor der Meinung, dass ihr Arbeitsgebiet aufgrund der Komplexität menschlichen Verhaltens vor einer Automatisierung weitgehend sicher ist. Weit gefehlt! Die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz haben bereits heute schon weitreichende Auswirkungen auf den HR-Bereich.

Treffsichere Auswahl von Bewerbern

Die Auswahl geeigneter Bewerber gehört in vielen Unternehmen zu den zeitraubendsten und kostspieligsten Aktivitäten. Besonders in Firmen mit einer traditionell hohen Personalfluktuation binden Recruitment-Prozesse viele interne Ressourcen. Dementsprechend groß ist das Interesse solcher Unternehmen, Prozesse weitgehend zu standardisieren und zu automatisieren. Zum ersten Mal in der Geschichte haben Systeme mit künstliche Intelligenz ein „Intelligenzniveau“ erreicht, das ihren Einsatz zur aktiven Unterstützung bei der Auswahl von Bewerbern ermöglicht. Softwarehersteller entwickeln zunehmend Anwendungen, die eine intelligente Automatisierung von Bewerbungsprozessen zumindest in Teilschritten möglich machen. So können KI-Systeme spezielle Bewerbungsaufgaben und –tests auf Basis von Tätigkeitsbeschreibungen des rekrutierenden Unternehmens erfinden. Nachdem Bewerber den Test durchlaufen haben, liefert das System eine automatische Auswertung der Ergebnisse und schlägt dem Unternehmen geeignete Kandidaten für die weiteren Phasen des Bewerbungsprozesses vor. 

Eine weitere Anwendung, bei der auf KI basierende Systeme den Bereich HR / Human Resources eines Unternehmens tatkräftig unterstützen können, sind Video-Interviews. Die manuelle Auswertung von Bewerbungsgesprächen per Video bedeutet einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand. Mithilfe künstlicher Intelligenz kann die Analyse von Video-Interviews nicht nur automatisiert, sondern auch objektiviert werden. Videoanalyse-Systeme sind heutzutage nicht nur in der Lage über Echtzeitspracherkennung Interviews zu transkribieren, sondern können eine Fülle weitergehender Informationen liefern. Dazu zählen beispielsweise die Beurteilung des Wortschatzes, der Sprachkenntnisse und der Antwortgeschwindigkeit von Bewerbern.

Individuelles Karriere-Coaching

Eine wichtige Aufgabe des HR-Bereichs ist das Karriere-Coaching von Mitarbeitern. HR-Manager sind dafür verantwortlich, Mitarbeiter den besten Karriere-Weg in ihrem Unternehmen aufzuzeigen und zu ermöglichen. KI-Systeme können in Bezug auf dieses Karriere-Coaching einen sehr wertvollen Beitrag leisten. Sie sind in der Lage, das Profil von Mitarbeitern mit internen und externen Informationen anzureichern und sie mit denjenigen Personen im Unternehmen in Kontakt zu bringen, die für ihr Vorankommen in der Firma von Bedeutung sind. Diese Vernetzung ist besonders in größeren Organisationen von Menschen nur ansatzweise machbar. So können HR-KI-Systeme Mitarbeiter beispielsweise auf andere Angestellte oder Teams verweisen, die bereits über wichtiges Vorwissen bei bestimmten Themen verfügen. 

Darüber hinaus können KI-Programme Mitarbeiter auf Basis ihres persönlichen Profils individuelle Weiterbildungsvorschläge unterbreiten. Die detaillierte Analyse des Fortbildungsbedarfs aller Mitarbeiter würde den Bereich HR / Human Resources vor eine enorme zeitliche Belastung stellen. Automatisierte Systeme können in diesem Teilbereich viele Ressourcen freimachen. Und nicht zuletzt sind KI-Systeme auch in der Lage, Mitarbeitern auf Basis ihres Profils passende interne Stellenausschreibungen vorzuschlagen.

Zielgenaue Information von Mitarbeitern

Ein weiterer HR-Teilaspekt für den sinnvollen Einsatz von Systemen auf Basis von KI ist die zielgenaue Information von Mitarbeitern. Traditionell sind viele Ressourcen in HR-Abteilungen von Unternehmen durch administrative Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Information von Mitarbeitern gebunden. KI-Systeme sind heutzutage ausreichend intelligent, um Mitarbeiter automatisch und individuell mit allen für sie relevanten HR-Informationen zu versorgen. So können derartige Systeme beispielsweise Prozesse rund um die Urlaubsplanung, Krankmeldungen und Arbeitsunfälle automatisieren.

Die Zukunft des HR-Jobs

Vor diesem Hintergrund werden sich die Tätigkeiten in den HR-Abteilungen von Unternehmen in den kommenden Jahren radikal wandeln. Jobs im Bereich HR / Human Resources sind wahrscheinlich auch in naher Zukunft nicht so leicht ersatzbar wie Stellen in anderen Unternehmensbereichen. Doch das Job-Profil im Bereich HR / Human Resources wird sich von Tätigkeiten mit überwiegend administrativem Charakter zu strategisch orientierten Serviceleistungen wandeln. 

Auch im Bereich HR / Human Resources werden KI-Systeme über kurz oder lang alle repetitiven, automatisierbaren und auf großen Datenmengen basierenden Aufgaben übernehmen. HR-Manager sollten diesen Trend jedoch nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance akzeptieren. Für sie bringt der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz die Möglichkeit mit sich, sich fortan auf intelligentere und kreativere Tätigkeiten zu fokussieren, die maschinelle Intelligenz auch in den kommenden Jahren noch nicht wird leisten können.

Die Angst vor KI im Bereich HR – Human Resources

Nicht nur HR-Manager sehen den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz in ihrem Tätigkeitsbereich mit Sorge. Auch Mitarbeiter und Job-Bewerber beobachten die Entwicklung mit einer begründeten Skepsis. Die Arbeitsweise und Ergebnisse von KI-Systemen sind für die meisten Menschen eine undurchsichtige „Black Box“. In manchen Fällen können Empfehlungen bzw. Entscheidungen dieser Systeme möglicherweise nicht von Menschen nachvollzogen und auch nicht von Fachleuten erklärt werden. 

Der Einsatz von KI im Bereich Human Resources ist und bleibt aufgrund seines Menschenbezugs sehr sensibel. Mitarbeiter müssen sich auch im Falle der KI-Unterstützung von HR-Prozessen jederzeit auf die Fairness und Vertrauenswürdigkeit ihres Arbeitgebers verlassen können. Eine große Herausforderung für HR-Manager wird es somit in den kommenden Jahren sein, KI so intelligent wie möglich in bestehende Unternehmensprozesse zu integrieren und für die Mitarbeiter des Unternehmens einen echten Mehrwert zu schaffen.

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