Die 5 wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine Restrukturierung bzw. Restrukturierungsstrategie

Mario Busshoff

20. April 2020

Restrukturierungsstrategie: Das sind die Erfolgsfaktoren

Restrukturierung gehört zu den zentralen Elementen jeder Unternehmensstrategie. Die Gründe dafür können sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft liegen: Negative Einflüsse in zurückliegenden Phasen können zu Krisensituationen führen, die entschlossene Maßnahmen erfordern. Andererseits kann auch der Blick auf zukünftige Entwicklungen dazu motivieren, durch Restrukturierung die eigene Marktposition zu stärken und dem Unternehmen ein schärferes Profil zu verleihen. Welche Erfolgsfaktoren bei der Restrukturierung eine Rolle spielen, erfahren Sie hier.

Restrukturierungsstrategien erfordern planvolles Handeln

Einer der Hauptgründe, warum ein Restrukturierungsvorhaben scheitern kann, ist das Fehlen systematischer Planungskonsequenz. Zu den Erfolgsfaktoren einer Restrukturierung gehört es, mit einer bis ins Detail ausgearbeiteten Strategie an das Vorhaben heranzugehen. Intuitives Agieren aus dem Bauch heraus führt unweigerlich ins planerische Abseits.

Doch genau das ist es, was in vielen Unternehmen angesichts einer Krisensituation geschieht: Statt sich mit einem ausgereiften Restrukturierungskonzept an die Spitze der Ereignisse zu setzen und die Abläufe zielgerichtet zu beeinflussen, reagiert so manche Geschäftsführung lediglich auf eintretende Situationen und Ereignisse. Reaktion statt Aktion – das ist als Restrukturierungsstrategie keine erfolgversprechende Vorgehensweise.

Restrukturierungsstrategie als Sanierungskonzept

Insbesondere in Fällen, bei denen die Restrukturierung auf eine unternehmerische Notlage zurückgeht, ist rasches und konsequentes Handeln angesagt. Kristallisieren sich Defizite in einem der Bereiche Wettbewerb, Ertrag oder Liquidität heraus – oder in mehreren Bereichen zugleich – definieren sich die Erfolgsfaktoren der Restrukturierung zu einem wesentlichen Teil aus ihrer Nützlichkeit bei der Entscheidungsfindung von Kapitalgebern und Banken in Bezug auf die weitere Finanzierung.

Die Erfahrung zeigt, dass Kreditgeber in Fällen wie diesen mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Maßnahmenkatalog der Restrukturierungsstrategie achten. Zentrale Faktoren sind dabei die Geschwindigkeit der Abläufe, die Nachhaltigkeit der eingeleiteten Initiativen, die Einbindung und das Engagement des Topmanagements und die Professionalität der Umsetzung.

Die Erfolgsaussichten eines Restrukturierungskonzepts beweisen sich meist schon in den ersten Wochen der Maßnahme, basierend auf der Einschätzung der aktuellen Situation. Umso wichtiger ist es, mit einer optimal ausgestalteten Restrukturierungsstrategie an den Start zu gehen.

Die fünf Erfolgsfaktoren für die Restrukturierung

Ein allgemein gültiges Rezept für eine erfolgreiche Restrukturierung gibt es nicht. Das jeweilige Konzept hängt von der individuellen Situation des Unternehmens und von den äußeren Bedingungen ab. Dennoch sollte eine erfolgreiche Restrukturierungsstrategie einige wichtige Basiselemente enthalten:

Erfolgsfaktor 1: Forecast für die nächsten drei Jahre

Hat ein Unternehmen keine konkrete Vorstellung davon, wie es sich in den kommenden Jahren am Markt bewähren wird, fehlt jede Grundlage für die Gestaltung eines effizienten Restrukturierungskonzepts. Dabei sind beileibe keine hellseherischen Fähigkeiten erforderlich: Es geht darum, Fallstudien für die drei möglichen Entwicklungsstränge zu entwickeln: Best Case, Worst Case und Most Likely.

Ein Element gehört besonders in diesem Zusammenhang zu den unverzichtbaren Erfolgsfaktoren jeder Restrukturierung: solides und belastbares Zahlenmaterial. Ohne korrekte Datenbasis landet jede Restrukturierungsstrategie unweigerlich im Aus, denn sie gründet sich auf falschen Voraussetzungen und kommt damit zwangsläufig zu falschen Schlussfolgerungen.

Das Budget, das sich aus den Forecasts ergibt, muss auch anstehende Trends und strukturelle Verschiebungen am Markt berücksichtigen. Das gewinnt besonders an Bedeutung, wenn One-off-Effekte zu langfristigen Veränderungen bei Unternehmen und Konsumenten führen.

Ein dramatisches Beispiel für derartige Interferenzen durch höhere Gewalt ist die aktuelle globale Corona-Krise. Bereits heute ist abzusehen, dass sie langfristige Auswirkungen auf die Unternehmenslandschaft und die weltweite ökonomische Großwetterlage haben wird.

Wie tiefgreifend die Veränderungen sein werden, demonstrieren beispielsweise die Luftfahrtgesellschaften: Carsten Spohr von der Deutschen Lufthansa sagt eine grundlegende Veränderung der gesamten Branche voraus. Das wirkt sich unmittelbar auf einen erheblichen Teil der vorhanden Kapazitäten aus, die nicht mehr benötigt werden.

Ein aussichtsreiches Restrukturierungskonzept muss in Hinblick auf Planung und Kommunikation auf dem Worst Case-Szenario beruhen. Erfahrungsgemäß erweisen sich die anderen Szenarien als zu optimistisch, besonders bei der Evaluierung durch Banken und Kapitalgeber. Ebenso wichtig ist die präzise Ausgestaltung der Forecasts. Sie müssen mit einer sauberen Planung der Kostenstellen unterlegt sein – nur so lassen sich kritische Kostenblöcke zuverlässig ausmachen und optimieren. 

Erfolgsfaktor 2: Exakte Zieldefinition

Der Ausbau der Key Account-Aktivitäten ist für die Restrukturierung von grundsätzlicher Bedeutung. Damit ist in vielen Fällen die Einstellung eines Key Management-Teams verbunden. Restrukturierung bedeutet nicht nur den Abbau vorhandener Ressourcen, sondern auch die Ausrichtung auf neue Perspektiven.

Erfolgsfaktor 4: Change Management

Eine Restrukturierung kann nur erfolgreich verlaufen, wenn die Mitarbeiter den Prozess verstehen und unterstützen. Nach Abschluss der Vorarbeiten gilt es daher, die Belegschaft thematisch abzuholen und ihr verständlich zu machen, warum bestimmte Schritte unumgänglich sind und welche Veränderungen auf sie zukommen.

Erfolgsfaktor 5: Konsequenz und Schnelligkeit

Je länger sich der Restrukturierungsprozess hinzieht, desto höher werden die Hürden, die auf dem Weg zu überwinden sind, und desto drastischer steigt die Fehleranfälligkeit. Darüber hinaus ist konsequentes Handeln die Basis jeder erfolgreichen Restrukturierung. Muss ein Standort schließen, kann das nicht halbherzig geschehen – er muss verkauft oder abgerissen werden, um nicht seine Fixkosten als Altlasten mit in die unternehmerische Zukunft zu nehmen.

Fazit

Restrukturierungen können als Maßnahme gegen unternehmerische Notlagen oder als proaktives Projekt zur Stabilisierung der eigenen Marktpräsenz eingesetzt werden. Kommt es zu einer Restrukturierung aufgrund von Defiziten bei Wettbewerb, Ertrag oder Liquidität, ist schnelles und konsequentes Handeln unabdingbar.

Jede Restrukturierungsmaßnahme – ob reaktiv oder proaktiv – muss auf exakter Planung, ausgereifter Forecast und genauer Zahlenbasis beruhen, damit das Projekt bei Banken oder Kapitalgebern Anklang findet und zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden kann.

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