Due Diligence bei der Unternehmensnachfolge

Mario Busshoff

13. August 2020

Unternehmensnachfolge und Due Diligence – unverzichtbares Junktim

Der englische Begriff Due Diligence, zu Deutsch sorgfältige Prüfung oder gebotene Sorgfalt, ist im Wirtschaftsleben für den Käufer von Wertanlagen wie Aktien, Wertpapiere oder Immobilien, bis hin zur Nachfolge in einem Unternehmen die unverzichtbare Gesamtprüfung oder anders gesagt das Durchleuchten des Kaufobjektes mit allen Aspekten. Insofern ist Due Diligence, kurz DD weit mehr als nur eine reine Bonitätsbewertung.

Due Diligence in drei Phasen

An eine Unternehmensnachfolge werden erfahrungsgemäß hohe Erwartungen geknüpft. Der zukünftige Eigentümer muss wissen, was ihn erwartet und was umgekehrt von ihm erwartet wird. Bei seinem DD stehen Aspekte wie die bisherige Umsatz- und Ertragslage, die wirtschaftliche und finanzielle Situation oder die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im Fokus. Durchgeführt wird das Due Diligence von einem darauf spezialisierten Beratungsunternehmen. Mit ins Boot geholt werden sollte darüber hinaus sowohl eine kompetente Rechts- als auch Steuerberatung. Zielsetzung ist die Identifizierung aller Stärken und Schwachstellen der Firma in Bezug auf das Kaufangebot, das dem Firmennachfolger vorliegt. DD in drei Phasen ist langjährig bewährt.

Analyse der Unternehmensnachfolge

Sie ist gleichzusetzen mit der Betrachtung des Geschäftsmodells, in etwa vergleichbar mit einem Businessplan. In dieser Phase kommt das gesamte Unternehmen auf den Prüfstand. Diese Ist-Analyse bietet gleichzeitig eine Prognose für die zukünftig denkbare Unternehmensentwicklung.

Dazu die entscheidenden DD-Kernpunkte in alphabetischer Reihenfolge

  • Ausgangssituation
    Anlass für die Firmennachfolge; beispielsweise Krankheit, Ableben, Erbauseinandersetzung, Neuorientierung, Finanzierungs- bis hin zu Existenzproblem
  • Branchenstanding und Firmenimage
    Wer ist Freund, wer ist Feind; war der bisherige Firmenchef streitbar oder eher harmoniebedürftig; wie ist das Verhältnis zu Behörden, welche Streitigkeiten vor welchen Gerichten gab und gibt es
  • Finanzielle Situation [bisher, aktuell, zukünftig]
    Hier sind Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gefragt; Vorlage aller Unterlagen vergangener Jahre von der Bilanz bis zum Steuerbescheid
  • Kunden
    Bewertung des Kundenstammes mit Datenbankpflege, mit und ohne Karteileichen, Kundenbindung-CRM, persönliche Verbindung von Kunden zum bisherigen Firmeninhaber, …
  • Lieferanten
    Bewertung jeder einzelnen Lieferantenbeziehung, vorsorgliche Rückfall Positionen mit Alternativ-Lieferanten, …
  • Marktsituation
    Bewertung des aktuellen Marktvolumens sowie der zukünftigen Wachstumsaussichten, Einbeziehung von Marktänderungen wie Risiken, Stagnation, Kundenverhalten, …
  • Mitbewerber und Konkurrenten
    Direkter Vergleich Eins zu Eins zum Erkennen eventueller Defizite, Überlegungen zu Innovationen und Neuerungen mit möglichem Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz
  • Personal
    Pflichtübernahme von vorhandenem Personal, wie sieht das Personal die Unternehmensnachfolge, Einbindung eines Experten [Fachanwalt für Arbeitsrecht]
  • Produkt (Leistungsangebot)
    Vorhandenes und Bewährtes wird übernommen, ohne Neues hinzunehmen oder existenziell gründen zu müssen; was lässt sich verbessern, ergänzen, ändern, erneuern …
  • Rechte unternehmensbezogen [Urheberrechte, Schutzrechte, …]
    Bestehende Schutz- und Patentrechte bieten Wettbewerbsvorteile; wie lange gelten sie in welchem Umfang; Einbindung eines Experten wie den Fachanwalt für Patentrecht
  • Rechtsform zukünftig [Beteiligungen, Gesellschaftsvertrag, …]
    Prüfung und Bewertung aller bestehenden Gesellschaftsverträge sowie deren Vollzug; [Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht]
  • SWOT-Analyse
    Positionsbestimmung nach SWOT mit Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken von Firma und Unternehmensnachfolge
  • Unternehmensstandort
    Subsumiert werden hier der Betriebsstandort mit Verkehrsinfrastruktur, seine Ausstattung und Einrichtung, das Anlage- und Umlaufvermögen, …
  • Versicherungen
    Soll-Ist-Analyse von betriebsbezogenen und gebündelten Versicherungen, Prüfung einer möglichen Personenbezogenheit auf den bisherigen Firmeninhaber

Fortführungsplan für die Unternehmensnachfolge

Während des Due Diligence mit der sich daraus ergebenden Ernsthaftigkeit an der Firmennachfolge wird parallel an einem Fortführungsplan für die Nachfolgefirma gearbeitet. Er entspricht mit Form und Aufbau in weiten Teilen dem Businessplan anlässlich einer Unternehmensgründung. Der gravierende Unterschied liegt im Inhalt. In dem Fortführungsplan wird unterschieden in den Ist- und den Sollzustand. Die Gegenwart mit dem Ist wird der Zukunft mit dem Soll gegenübergestellt.

Der Fortführungsplan erfordert recht profunde Kenntnisse der zu übernehmenden Firma. Als Inhalte des Sollzustandes werden erste Strategien zur Unternehmenszukunft oder zu gravierenden Unternehmensänderungen entwickelt. Dazu gehören Überlegungen zur zukünftigen Unternehmensführung sowie zu einer temporären, sporadischen oder längerfristigen Vertretung des Nachfolgeunternehmers.

Einige Kerninhalte des Fortführungsplanes

  • Änderungen am, im und mit dem Unternehmen [Tradition vs. Moderne, Neuentwicklungen, Umstrukturierungen, …]
  • Angebot und Geschäftsideen [Änderungen an bestehenden Produkten oder Dienstleistungen]
  • Nachfolgefinanzierung [Übernahme bestehender Finanzierungen oder deren Ablösung]
  • Zusammengefasst erste Antworten auf alle Fragestellungen aus der DD-Analyse

Finale Bewertung inklusive Konfliktlösung

Die Unternehmensnachfolge ist keine Liebesheirat, sondern ein Zweckbündnis zwischen Vorgänger und Nachfolger. Naturgemäß vorhandene unterschiedliche Interessenslagen, Divergenzen bis hin zu Animositäten müssen ausgeräumt oder anders gesagt beigelegt werden. Das geht nur mit einem Höchstmaß an Offenheit, Transparenz, Ehrlichkeit und Konfliktfreudigkeit nach dem Grundsatz: Die Firma geht vor.

Diese Phase innerhalb der Firmennachfolge gibt letztendlich den Ausschlag über

  • die Zukunft des Nachfolgers
  • den Lebensabend des Noch-Firmeninhabers

Fazit zum Due Diligence vor der endgültigen Unternehmensnachfolge

Das Dreiphasen-Due Diligence kostet viel Manpower, Zeit und auch Nerven. Mitentscheidend für den Erfolg ist ein kompetenter, vertrauensvoller sowie erfahrener DD-Berater. Die Nachfolge innerhalb des bestehenden Unternehmens ist immer ein natürliches Spannungsfeld. Nach dem erfolgreichen DD-Verlauf folgen als letztes

  • die Kaufpreisermittlung
  • die Kaufpreisfinanzierung
  • der Übergabevertrag

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